Viele Gartenbesitzer im bayerischen Oberland schwören darauf: Bäume schneiden nach dem Mondkalender. Wer bei abnehmendem Mond zur Säge greift, soll gesündere Bäume bekommen. Klingt gut – aber was sagt die Wissenschaft dazu? Und was sagen wir nach über 40 Jahren Baumpflege in München und Umgebung? Die Antwort ist komplizierter als ein einfaches Ja oder Nein.

_________________________________________________________________

Die Grundidee des Mondkalenders ist uralt

Bereits in alten Forstordnungen wurde geregelt, zu welchen Mondphasen Holz eingeschlagen werden darf. Die Überzeugung dahinter: Der Mond beeinflusst den Wassergehalt und den Saftstrom in Pflanzen – ähnlich wie er die Gezeiten der Meere bewegt. Konkret empfiehlt der Mondkalender für den Baumschnitt vor allem die Phase des abnehmenden Mondes, also die Zeit zwischen Vollmond und Neumond. In dieser Phase sollen sich die Säfte des Baumes in die Wurzeln zurückziehen. Das hätte mehrere Vorteile: Die Schnittwunden „bluten“ weniger stark, trocknen schneller ab und heilen besser. Gleichzeitig soll der Baum nach dem Schnitt weniger stark austreiben, was bei einem Rückschnitt zur Formgebung erwünscht ist.

Viele erfahrene Gärtner und Obstbauern – gerade hier im Raum Starnberg, Wolfratshausen und Bad Tölz – berichten von positiven Erfahrungen mit dieser Methode. Und diese Erfahrungen sind nicht einfach wegzureden.

_________________________________________________________________

Was die Wissenschaft dazu sagt – nüchtern betrachtet

Trotz jahrzehntelanger Diskussion gibt es bis heute keine belastbare wissenschaftliche Studie, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Mondphasen und der Wundheilung oder dem Austrieb von Bäumen nachweist. Die TU Dresden hat sich im Rahmen eines Forschungsprojekts zu sogenanntem „Mondholz“ intensiv mit der Frage beschäftigt und kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Ein messbarer Einfluss der Mondphase auf die Holzqualität oder die Wundheilung ließ sich nicht reproduzierbar belegen.

Die moderne Baumpflegewissenschaft erklärt die Wundheilung von Bäumen stattdessen über das sogenannte CODIT-Modell (Compartmentalization of Decay in Trees). Dieses Modell beschreibt, wie ein Baum nach einem Schnitt oder einer Verletzung aktiv Abgrenzungszonen um die Wunde aufbaut, um das Eindringen von Fäulniserregern und Pilzen zu verhindern.

Entscheidend für den Erfolg dieses Prozesses sind laut CODIT:

  • Der Schnittzeitpunkt im Jahresverlauf: Schnitte in der Vegetationsruhe (Spätherbst bis Frühjahr).
  • Die Schnittqualität: Ein sauberer, glatter Schnitt direkt am Astring, ohne Stummel und ohne Verletzung des Astkragens.
  • Der Vitalitätszustand des Baumes: Ein gesunder, gut versorgter Baum heilt Wunden deutlich schneller als ein geschwächter.

Die Mondphase taucht in diesem wissenschaftlichen Modell nicht auf.

_________________________________________________________________

Was unsere Praxiserfahrung zeigt – und warum sie vom CODIT-Modell abweicht

Das CODIT-Modell ist wissenschaftlich fundiert, aber aus unserer über 40-jährigen Erfahrung in München und dem Oberland sagen wir: Der beste Schnittzeitpunkt liegt tatsächlich zwischen Frühjahr und Spätsommer, wenn der Baum richtig im Saft steht.

Genau dann ist die Wundheilung am schnellsten und effektivsten. Der Baum hat volle Kraft, um die Schnittwunden aktiv zu verschließen und Abwehrstoffe zu mobilisieren. Ein Schnitt im Saft, fachgerecht ausgeführt, heilt oft besser und zuverlässiger als ein Winterschnitt. Das ist kein Widerspruch zur Wissenschaft – es zeigt nur, dass die Praxis manchmal andere Ergebnisse liefert als die Theorie vorhersagt. Möglicherweise spielen Faktoren eine Rolle, die in Laborstudien nicht vollständig abgebildet werden können.

Und genau das ist auch der Grund, warum wir den Mondkalender und andere traditionelle Methoden nicht einfach abtun sollten.

_________________________________________________________________

Warum wir den Mondkalender nicht einfach abtun

Denn wie wir gerade schon gesehen haben: auch wenn die Wissenschaft keinen Beweis liefert, bedeutet das nicht automatisch, dass der Mondkalender wirkungslos ist.

Wir kommen gerne zu Ihnen, schauen uns die Situation vor Ort an und besprechen gemeinsam, was sinnvoll ist. Die Beratung vor Ort ist für Sie selbstverständlich kostenlos und unverbindlich.

Nehmen Sie noch heute Kontakt zu uns auf!